Hanspeter Hess, Direktor Verband Schweizerischer Kantonalbanken
Hanspeter Hess, Direktor Verband Schweizerischer Kantonalbanken

Banken können die Transformation der Schweiz zu mehr Nachhaltigkeit mit einer Hebelwirkung unterstützen, da sie mit breiten Teilen der Wirtschaft interagieren. Spielstrategisch gesehen, leisten sie mit ihrem Engagement eine gute Vorlage in der Aufbauarbeit bis zum Torschuss. Der Torschuss gelingt buchstäblich aber nur gemeinsam mit der Realwirtschaft. Zur Erreichung des Klimaziels ist deshalb Teamplay gefragt. 

Mehr Transparenz und Sensibilisierung als Steilvorlage
Die heutige Selbstregulierung der Banken im Nachhaltigkeitsbereich sensibilisiert zum einen die Kundschaft über Nachhaltigkeit und wirkt zum anderen gegen Greenwashing durch die Pflicht zur korrekten Beschriftung von nachhaltigen Anlagen. Weitere Sensibilisierungsarbeit leisten die Kantonalbanken, indem sie Immobilienbesitzende über Anreize und Subventionen der Kantone für energieeffiziente Sanierungen informieren. Diese Aufklärungsarbeit ist von grosser Bedeutung, denn Gebäude sind für rund einen Drittel der Schweizer CO2-Emissionen verantwortlich. Entsprechend liegt in diesem Bereich ein grosses Potential, um die Klimaziele zu erreichen. Als bedeutende Hypothekaranbieterinnen mit einem Versorgungs- und Leistungsauftrag können Kantonalbanken die notwendigen finanziellen Ressourcen für Gebäudesanierungen bereitstellen. Doch damit es zu einem weiteren Schub von energieeffizienten Sanierungen kommt, muss die Politik für private und gewerbliche Immobilienbesitzende ökonomische Anreize schaffen. Erst dann werden Massnahmen auch von der breiten Bevölkerung und Wirtschaft umgesetzt. 

Differenzierte Regelwerke für mehr Fairplay
Solche Anreize benötigen effiziente und differenzierte Regelwerke – genauso wie weitere Massnahmen für den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft: Die Swiss Climate Scores schaffen Transparenz bei der klimaverträglichen Ausrichtung von Finanzanlagen, die Verordnung zur Klimaberichterstattung reguliert, wie über Klimarisiken für und von Unternehmen zu rapportieren ist, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie beim Mannschaftssport, müssen solche Regelwerke auf die unterschiedlichen Ausgangslagen angepasst sein. Im internationalen Umfeld können komplexere Vorschriften Sinn machen. Wogegen diese in einem nationalen Umfeld das Ziel deutlich verfehlen. Die Kantonalbanken wie auch die anderen Inlandbanken agieren primär auf dem Schweizer Finanzplatz. Strikte Regulierungen mit einem Fokus auf internationale Märkte beachten die Eigenheiten und Notwendigkeiten der Schweiz zu wenig und haben daher einen eingeschränkten Effekt auf die angestrebten Klimaziele. Nur ein auf den Schweizer Markt angepasstes Regelwerk ergänzt durch glaubwürdige Selbstregulierung ermöglicht ein nachhaltig überzeugtes Engagement und gemeinsam mit Team- und Fairplay den erfolgreichen Torschuss für Netto-Null bis 2050.