Autorin: Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie und Analyse, St. Galler Kantonalbank

Den grössten Wirtschaftseinbruch seit 90 Jahren – das brachte die Corona-Pandemie der Schweiz im vergangenen Jahr. Steht uns im 1. Quartal 2021 eine erneute Wirtschaftskrise bevor? Es gibt Parallelen zum Vorjahr, aber auch Unterschiede.

Vom gleichzeitigen Stillstand ...

Weil die Wirtschaft rund um den Globus zeit- gleich zum Stillstand kam, waren im März 2020 alle Sektoren gleich und vor allem stark betrof- fen. Die Lieferketten stockten, die Flüge am Flughafen Zürich brachen um fast 90 Prozent ein und die Schweizer Uhrenexporte um 87 Prozent. Das sind historisch einmalige Zahlen. Das dritte Quartal brachte einen Nachholeffekt, aber eine Lücke ist geblieben. Nun ist die Schweizer Wirtschaft wieder mit einer ähnlichen Situation konfrontiert. Und trotzdem ist sie anders.

... zu lokalen Ausbrüchen

Anders als im vergangenen Jahr ist nicht mehr die ganze Welt zeitgleich mit dem Virus be- schäftigt. Gerade die Exportindustrie wird weit weniger tangiert. Hier hilft die gute Ausgangs- lage in China und Asien generell. Deshalb dürfte sie weniger stark die Auswirkungen der aktuellen Lockdown-Massnahmen spüren. Auf der anderen Seite wird es die Binnenwirtschaft hart treffen. Umso wichtiger ist es, die betroffenen Branchen bestmöglich zu unterstützen, damit sie wie im vergangenen Jahr wieder von einem Nachholeffekt profitieren und zumindest einen Teil der Einbussen wieder aufholen können.

Eine neue Hoffnung ...

Ein weiterer positiver Unterschied zur Aus- gangslage im letzten Jahr ist der Impfstoff. Jetzt gibt es eine realistische Hoffnung darauf, dass mit dem Impfstoff eine «Post-Corona»-Ära eintreten kann. Denn nur mit einer Impfung können sich Menschen in grossen Gruppen und auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln wie- der unkompliziert begegnen. Gerade die Tourismus- und Gastrobranche, aber auch Flughäfen oder Carunternehmen sind darauf ange- wiesen, dass dies wieder möglich ist.
Wir rechnen mit einer Wiederbelebung im zweiten und vor allem dritten Quartal dieses Jahres. Zwar wird die Erholung weniger stark ausfallen als im letzten Jahr, als die BIP- Erholung eine V-Form zeigte. Dafür aber wird sie einen längeren Atem haben und stetig ver- laufen, was wir begrüssen.

... und eine wichtige Stütze

Eine ebenfalls zentrale Rolle kommt der Schwei- zerischen Nationalbank (SNB) zu. Diese wird den Leitzins weder erhöhen, noch senken. Das würde auch wenig Sinn machen, weil der Leitzins nicht mehr der zentrale Schalthebel in der Geldpolitik der SNB ist. Vielmehr wird sie weiterhin den Deviseninterventionen die Treue halten und damit einer schnellen und starken Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro entgegenwirken. Für die exportorientierte Schweiz ist das eine wichtige Stütze.