Autor: Jean Niklas, CIO Aktien, Asset Management, BCV

In der Debatte um nachhaltige Investitionen stehen zunehmend auch die Vorsorgeeinrichtungen im Fokus. Heute ist es für eine Pensionskasse einfacher ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) in ihre Anlagestrategie einzubeziehen. So kann sie den Erwartungen der verschiedenen Stakeholder gerecht werden – angefangen beim Bund, der für ein «nachhaltiges Finanzsystem» eintritt, bis hin zu den Versicherten, die zunehmend auf diese Aspekte achten.

Nach ESG-Kriterien zu investieren bedeutet u. a. an den Generalversammlungen abzustimmen, mit den in den Portfolios vertretenen Unternehmen in Dialog zu treten, kontroverse Tätigkeiten oder Verhaltensweisen auszuschliessen oder ESG-Kriterien in die Vermögensverwaltung einzubinden. Bei Letzterem bestand die Schwierigkeit lange Zeit darin, dass einheitliche Definitionen fehlten und dass negative Auswirkungen auf das Risiko- und Renditeprofil befürchtet wurden. Für die Pensionskassen, deren Auftrag es ist, die Renten der Versicherten zu finanzieren, sind das Risiko und die Rendite zwei zentrale Parameter. In den letzten Jahren wurden nun aber Lösungen entwickelt, mit denen sich die genannten Hindernisse leichter überwinden lassen.

Was den Bedarf an allgemein anerkannten Definitionen betrifft, so gibt es mittlerweile mehrere Indexanbieter an diesem Markt. Diese legen mithilfe grosser Teams und robuster Methoden einerseits ESG-Ratings für die verschiedensten börsenkotierten Unternehmen fest. Andererseits bieten sie auch Anlageuniversen an, deren ESG-Profil dadurch verbessert wird, dass die Titel entsprechend diesen Ratings neu gewichtet werden: Die Gewichtung der Titel mit den besten Ratings wird erhöht, jene der schlechter bewerteten verringert. Anhand dieser Universen kann das ESG-Profil eines Portfolios zu zumutbaren Kosten verbessert werden – und dies messbar.

Zudem zeigen unsere Erfahrung und die akademische Forschung, dass das ESG-Profil eines Portfolios verbessert werden kann, ohne dass sich dies negativ auf dessen Risiko- und Renditeprofil auswirkt. Aus Erfahrung wissen wir auch, dass sich die Pensionskassen gerne für einen solchen Ansatz entscheiden, sofern er auf ihre Bedürfnisse und Einschränkungen abgestimmt ist und sie transparent informiert werden.

Bleibt noch die heikle Frage der CO2-Emissionen. Diejenigen eines ESG-Portfolios liegen nicht unbedingt deutlich tiefer als jene eines traditionellen Portfolios. Doch auch hier gibt es Möglichkeiten, wie der CO2-Abdruck unter Einhaltung der Vorgaben zum Risiko- und Renditeprofil verringert werden kann. Eine erste Massnahme besteht darin, Aktien von Unternehmen, deren Ertrag vorwiegend von der Kraftwerkskohle abhängt, aus dem Portfolio auszuschliessen. Im Übrigen sind die ESG-Ansätze nicht in Stein gemeisselt und es können auch neue Wege begangen werden.

Lösungen gibt es zwar, doch setzt ihre Umsetzung selbstverständlich voraus, dass die Pensionskassen, die sie einführen möchten, den Dialog mit den Versicherten suchen und ihnen ihre Wahl erläutern. Es ist nicht zu spät: Zuwarten würde bedeuten, das Risiko in Kauf zu nehmen, auf neue Anforderungen reagieren zu müssen. Einen solchen Schritt bereits heute in Erwägung zu ziehen hat hingegen den Vorteil, dass sich eine Pensionskasse eingehend damit befassen kann, welcher Ansatz sich für sie am besten eignet.