Autor: Philipp Betschart, Leiter Produktmanagement Finanzieren, Schwyzer Kantonalbank

Kreditwürdigkeit und -fähigkeit stehen quasi ebenbürtig im Finanzlehrbuch. Sie sind massgebend, wenn Geldgeber einen potenziellen Schuldner analysieren. Die Kreditfähigkeit entwickelt sich in der Praxis aber zusehends zum dominierenden Faktor. Wie trimmt der Unternehmer unter diesem Aspekt seine Firma fit für den Kredit?

Für eine fundierte Kreditprüfung verfeinerten Kreditinstitute in vergangenen Krisenzeiten laufend ihre Analysemethoden. Dies mit der Konsequenz, dass die in Modelle fassbaren Kennzahlen aus Erfolgsrechnung und Bilanz ein höheres Gewicht erhielten. Der Schuldner muss inzwischen ein minutiöses Bild über das erforderliche Kreditvehikel, seine Verwendung und Rahmenbedingungen skizzieren.

Ein adäquater Businessplan orientiert dabei als zentrales Element des Kreditgesuchs über die Ambitionen des KMU. Die Planungen müssen realitätsnah, stringent und abgestuft in Teilschritte erfolgen, um Gläubiger zu überzeugen. Eine hohe Transparenz schafft Verständnis für das Geschäftsmodell und Vertrauen in die verantwortlichen Akteure.

Solide Kreditwürdigkeit als Fundament

Selbst wenn vermehrt Kennzahlen dominieren, so ist die Kreditwürdigkeit nicht zu vernachlässigen. Unter diesem tendenziell subjektiven Aspekt erfolgt etwa die Prüfung von Renommee, Management-Eignung, Besitzverhältnissen sowie Gruppenstrukturen des KMU. Dies im Hinblick auf die Absatzmärkte, Vertriebskanäle sowie den Umgang mit Herausforderungen oder Megatrends.

Bei aller Planung gilt: Es liegt nicht nur in der Hand des Antragsstellers, ob ein Kreditentscheid zu seinen Gunsten ausfällt. So wird das beste Unternehmen durch eine insgesamt mässige Leistung seiner Branche abgestraft. Daher muss es dem Unternehmen gelingen, plausible Antworten überzeugend zu transportieren.

Vertiefte Analyse der Kreditfähigkeit

Ob ein Unternehmen einen Kredit zu stemmen vermag, lässt sich anhand von Kennzahlen abschätzen. Je nach Branche gelten dabei unterschiedliche Soll-Werte. Als Kreditkunde lohnt es sich daher, die branchentypischen Werte zu kennen, um Abweichungen seiner Unternehmung begründen zu können.

Quasi als Königskennzahl fungiert die Verschuldungskapazität. Diese Aussage über die maximale Schuld, die einem Unternehmen zumutbar ist, wird über den zukünftigen Geldfluss ermittelt. Losgelöst von allen anderen Kennzahlen lässt sich jedoch auch die Verschuldungskapazität nicht betrachten. Weist etwa der freie Cashflow über den Zeitverlauf eine hohe Volatilität auf, müsste diesem eine relativ hohe Eigenkapitalquote gegenüberstehen.

Optimaler und ergiebiger Dialog zentral

In einer Welt von zunehmender Dynamik und Komplexität lässt sich die vergangenheitsbezogene Analyse immer weniger rechtfertigen. Vorhersagemodelle werden für die Kreditgeber noch wesentlicher und mit Frühwarnindikatoren angereichert. Der Kreditnehmer muss demnach Antworten finden, wie seine Firma die Zukunft zu gestalten denkt und diese offen kommunizieren.

Dabei empfiehlt sich eine profunde Vorbereitung für den Austausch mit dem potenziellen Geldgeber sowie ein klar strukturiertes und widerspruchsfreies Dossier. Es ist zentral, ein verstärktes Auge auf die wesentlichsten Prüfindikatoren der Gläubiger zu legen, um die Fitness des Unternehmens glaubhaft darzulegen.