Autor: Daniel Rotzer, Chefökonom bei der WalliserKantonalbank

Zunahme der Wirtschaftsleistung im zweiten und dritten Quartal 2020

Nach dem sehr starken Einbruch der europäischen Wirtschaftsleistung Ende März und anfangs April hat diese anschliessend bis Ende Oktober erneut sehr stark zugelegt. Mit der Aufhebung verschiedener Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19 Pandemie im April hat sich die Wirtschaft anfänglich V-förmig erholt. Vergleicht man den europäischen Output im dritten Quartal mit demjenigen vom Vorjahr, so lag dieser jedoch weiterhin -4.4% tiefer. Die wichtigste Volkswirtschaft der Welt, diejenige der USA, wurde durch die Coronakrise ebenfalls stark getroffen, jedoch brach die Wirtschaftsleistung weniger stark ein. Gegenüber dem Vorjahresquartal im 2019 wiess die Wirtschaftsleistung in den USA im Q3 nur noch einen Rückstand von -2.9% aus. China, die zweitwichtigste Volkswirtschaft der Welt, hat sich seit zwei Quartalen positiv entwickelt.

Zweite Covid-Welle dämpft Erholung in Europa

Die zweite Covid-19 Ansteckungswelle und die erneute Verschärfung der Eindämmungsmassnahmen im November in Europa und den USA wird dazu führen, dass die Wirtschaftserholung, welche im Mai eingesetzt hat, im vierten Quartal an Momentum verlieren wird. Wir rechnen damit, dass es in Europa im vierten Quartal erneut zu einem Rückgang des Bruttoinlandproduktes kommen wird. Diese Einschätzung wird durch verschiedene vorauslaufende Wirtschaftsindikatoren bestätigt. Währendem der Industriesektor in Europa weiterhin optimistisch eingestuft wird, so sehen die Aussichten für den Servicesektor vor allem in Ländern wie Spanien, Frankreich und Italien schlecht aus. Dabei werden vor allem erneut die Tourismus- sowie die Eventindustrie in Mitleidenschaft gezogen werden. In den USA bleibt der Ausblick für das vierte Quartal positiv. Aufgrund der sehr starken Unterstützungsprogramme der amerikanischen Regierung sollte der Konsum weiterhin unterstützend wirken. Die vorauslaufenden Wirtschaftsindikatoren untermauern dies mit positiven Zahlen. Im Gegensatz zum Frühling, als die vorauslaufenden Indikatoren weltweit ins Bodenlose gesunken sind, so blieben diese aktuell trotz Rückgang weiterhin auf ansehnlichen Niveaus. China wächst bereits seit zwei Quartalen wieder und der Ausblick bleibt positiv.

Positive Vorzeichen für 2021

Obwohl das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal an Momentum einbüssen wird, so wird die Erholung im 2021 weitergehen. Erstens behalten die Regierungen ihre expansive Fiskalpolitik, obwohl weniger stark als im 2020, auch im 2021 bei. Zweitens werden die Refinanzierungskosten und die Zinsen auch im nächsten Jahr durch die Zentralbanken auf rekordtiefen Niveaus gehalten werden. Und drittens ist in den letzten Wochen die Wahrscheinlichkeit signifikant gestiegen, dass im 2021 die Menschen mit einem Impfstoff gegen Covid-19 geschützt werden können. Obwohl die Langfristfolgen eines Covid-19 Impfstoffs heute nicht abgeschätzt werden können, so können die hohen Effizienzraten von den BioNTech/Pfizer- und den Moderne/Lonza Impfstoffen als vielversprechend eingestuft werden. Basierend auf diesem Ausblick gehen wir davon aus, dass das Niveau des Bruttoinlandproduktes in den USA und Europa gegen Ende 2021/Anfangs 2022 wieder das Vor-Corona Niveau erreichen wird.