Der Bund und die Banken haben im März 2020 ein umfassendes Massnahmenpaket zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie lanciert. Das Programm beinhaltet verbürgte Überbrückungskredite im Umfang von 40 Milliarden Franken und stellt betroffenen Unternehmen rasch Liquidität zur Verfügung.

Herr Bühlmann, das Massnahmenpaket des Bundes zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise läuft nun seit einigen Wochen. Was sind bislang die prägendsten Erfahrungen in Ihrem Institut?
In dieser ausserordentlichen Corona-Situation war es für uns von enormer Wichtigkeit, dass eine pragmatische und vor allem rasche Lösung gefunden wurde. Die existenziellen Sorgen von Kundeninnen und Kunden konnten so etwas gelindert werden. Gleichzeitig sind wir auch als Bank gefordert. Gerade die ersten Tage waren intensiv. Nacht- und Wochenendschichten waren keine Seltenheit. Ich bin glücklich und stolz darüber, mit welchem Elan die Leute im Hintergrund und unsere Betreuerinnen und Betreuer an der Front diese Krise meistern und grossartige Arbeit leisten.

Wo liegen aktuell die grössten Herausforderungen bei der Vergabe der Überbrückungskredite?
Die grössten Herausforderungen gab es zu Beginn, als die Zahl der Anfragen schlicht riesig war und gleichzeitig noch formale Herausforderungen beim Ausfüllen des Antragsformulars bestanden. Beides konnte aber schnell adressiert werden.

Wie ist die Stimmung bei Ihren Kunden, die einen Überbrückungskredit beantragen?
Es gibt nicht den typischen Kunden. Es gibt Kunden, die Existenzängste durchleben und die überglücklich sind, dass sie überhaupt eine Finanzspritze erhalten. Daneben gibt es auch die kalkulierenden und vorausschauenden Unternehmen, die nur einen Teil ihrer Kreditmöglichkeiten ausschöpfen.

Der Umfang des Massnahmenpakets musste aufgrund der hohen Nachfrage bereits verdoppelt werden. Glauben Sie, dass 40 Milliarden reichen werden?
Um das Bild des Virus aufzunehmen: Die Kurve der COVID-19-Kreditanfragen flacht in den letzten Tagen deutlich ab. Ich glaube deshalb, dass der Betrag für die Liquiditätsüberbrückung reichen wird. Die grosse Frage ist allerdings, wie rasch sich die Wirtschaft nach der schrittweisen Öffnung wieder erholt. Es gibt Unternehmen, die aufgrund der Krise auch langfristig vor grossen Herausforderungen stehen.

Neben der Finanzhilfe des Bundes haben diverse Kantone eigene Hilfspakete geschnürt. Wie greifen diese unterschiedlichen Hilfen ineinander?
Im Kanton Zürich greift das kantonale Programm subsidiär. Heisst also, dass es dann zum Tragen kommt, wenn die Unterstützung des Bundes bereits beansprucht resp. ausgeschöpft wurde. Das kantonale Programm kommt vor allem dort zum Tragen, wo die Maximalhöhe von 10 Prozent des Umsatzes nicht ausreicht oder bei Start-ups, für welche das initiale Bundesprogramm nur bedingt eine Lösung bietet. In der Zwischenzeit hat der Bundesrat auch bei Startups einen Handlungsbedarf erkannt und ein neues Verfahren im Rahmen des bestehenden Kreditprogramms angekündigt.

Kritiker befürchten, dass es bei den Überbrückungskrediten zu Missbrauch kommen könnte. Wie stehen Sie dazu?
Beim Kreditprogramm ging es darum, schnell und unbürokratisch Unterstützung zu bieten. Das war unbedingt nötig und hat viele Unternehmen entlastet. Ich bin überzeugt, dass sich die Kunden beim Bezug eines Überbrückungskredits wohlüberlegte Gedanken gemacht haben – nicht wenige haben ja auch bewusst auf den Kredit verzichtet. Absichtliche Missbräuche mag es geben. Diese sind meiner Meinung nach aber so gering, dass sie die positiven Effekte des pragmatischen Vorgehens nicht überschatten.

Die Überbrückungskredite müssen in fünf bzw. bei Härtefällen in sieben Jahren zurückbezahlt werden. Dabei muss auch mit Ausfällen gerechnet werden. Können Sie eine Einschätzung über die Höhe dieser Ausfälle abgeben?
Ein COVID-Kredit ist nicht für alle Kunden der richtige Ansatz zur Krisenbewältigung. So dürfen die Auflagen, die mit einem Bundeskredit verknüpft sind, nicht unterschätzt werden. Wir beraten und unterstützen unsere Kunden daher auch bei der Suche nach Alternativen, beispielsweise andere Kreditformen oder Fristverlängerungen. Die späteren Ausfälle beim COVID-Programm lassen sich für mich aber im Moment noch nicht seriös abschätzen – wirtschaftlich stehen wir noch am Anfang der Krise.

Wie gehen Sie mit Kreditanfragen von grossen Unternehmen um?
Auch hier gibt es wohl keine Standardantwort. Grundsätzlich nehmen wir als Bank eine branchenübliche Kreditprüfung vor. Wir gewichten in unserem Kreditentscheid nebst der Kreditwürdigkeit und dem Geschäftsmodell auch weitere Faktoren wie die Tragbarkeit der zukünftigen Gesamtverschuldung. Nur mit einer langfristig tragfähigen Lösung ist der Unternehmung wirklich geholfen – das gilt übrigens nicht nur für Grossunternehmen.

Die Kantonalbanken sind in ihren Kantonen stark verankert und gehören zu den wichtigsten Finanzierungspartnern der KMU. Wie zeigt sich diese Nähe gegenüber ihren Kunden in der aktuellen schwierigen Situation?
Wir konnten unseren Kunden früh signalisieren, dass wir für sie da sind – in guten wie in schlechten Zeiten. Die Kantonalbanken können durch ihre Nähe und den persönlichen Bezug dieses Zeichen der Unterstützung glaubwürdig übermitteln. Persönlich habe ich von meinen Kundenberaterinnen und -beratern mehrmals gehört, dass man sich trotz oder gerade wegen der räumlichen Distanz nähergekommen ist.