Autor: Philipp Betschart, Leiter Produktmanagement Finanzieren, Schwyzer Kantonalbank

Während der Schweizer Markt noch eine Nische darstellt, verzeichnet Private Debt weltweit robuste Kapitalzuwächse. Neben dem kreditseitigen Zuspruch zeigt sich ebenso für die Anlageklasse eine erhöhte Investitionsbereitschaft. Welches Potenzial steckt in Private Debt? Und wohin geht die Reise?

Private Debt (PD) umfasst Fremdkapital von Unternehmen, das mittels Platzierung über einen nicht öffentlichen Markt gehandelt wird. Dadurch sind PD-Instrumente tendenziell intransparenter und illiquider als Aktien- und Bondmärkte. Zudem bleibt ein Engagement typischerweise bis Laufzeitende unverändert. Das im Schweizer PD-Markt platzierte Volumen weist derzeit geschätzte 3 Milliarden Franken auf.

Kreditbedarf über neue Substrate decken

Dass Banken bei der Kreditvergabe aufgrund regulatorischer Vorgaben restriktiver geworden sind, lässt sich schwer von der Hand weisen. Unternehmen im mittleren Grössensegment ohne Investment-Grade-Rating orientieren sich deshalb zusätzlich verstärkt in Richtung alternative Finanzierungsquellen. PD kann eine solche sein.

Für Investitionen, die risikobasierte oder regulatorische Parameter der Banken übersteigen, ermöglicht PD sinnvolle Ergänzungen des Kredit-Portfolios. Beispielsweise lässt sich ein Expansionsprojekt von insgesamt CHF 5 Mio. ergänzend mit PD strukturieren. Neben der ersten Tranche von CHF 3 Mio. aus einer Bankfinanzierung gewährt ein PD-Gefäss CHF 1.2 Mio. in einer Senior Tranche. Dadurch reduziert sich der Liquiditätsbedarf aus eigenen Mitteln signifikant von CHF 2.0 auf CHF 0.8 Mio. Aus Kreditorenperspektive ist freilich darauf zu achten, dass sich die Risikoprämie für die nachrangige PD-Tranche in einem gesunden Verhältnis bewegt.

Interessante Alternative zur Asset Allocation

Die Anlageklasse PD wies in den vergangenen 10 Jahren ein durchschnittliches Volumenwachstum von rund 13% jährlich aus, das sich fortsetzen dürfte. Besonders attraktiv lassen PD hohe Renditeperspektiven in einer momentan nahezu alternativlosen Anlagewelt erscheinen. Gerade gegenüber gängigen Anlageklassen weist PD daher einen entscheidenden Diversifikationscharakter auf. Andererseits ist Erfahrung bei Investments in PD unentbehrlich und dessen effektives Monitoring ist herausfordernd. Zu zwei Dritteln bestehen die Investoren denn auch aus Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen, die in zum Teil verflochtenen Strukturen eine adäquate Kontrolle bewältigen können.

Die digitale Welt als Booster?

Durch neue plattform-basierte, prozessarme Geschäftsmodelle, die sich preiswert skalieren lassen, bieten sich für PD beachtenswerte Wachstumspotenziale. Trotz aller Euphorie sind digitale Lösungen für PD komplex und deren Etablierung ist kostenintensiv. Es würde demzufolge nicht erstaunen, wenn Banken, beispielsweise als Infrastruktur-Provider, selbst häufiger in den PD-Markt vorstossen. Dies, um aktiv der eigenen Desintermediation, das heisst dem Wegfall als Kreditgeber, zu begegnen. Und dann gilt: Wie immer, wenn der Wettbewerb zunimmt, steigt zugleich der Druck auf Margen und Konditionen. Künftige Renditen dürften nicht zuletzt deswegen - nahezu ungeachtet des indizierten Risikos - geringer ausfallen.